Über uns - Landesfeuerwehrmuseum Sachsen-Anhalt

FEUERIO – FEURIO …!

… hallte es Jahrhunderte durch die Gassen und Straßen entsetzt in die nächtliche Stille, stürmten die Glocken über die Dächer hinweg, rief einer dem anderen zu und wie das Feuer selbst, raste dieser Schreckensruf von Mund zu Mund, von Haus zu Haus … um dem rasenden Feuer Einhalt zu gebieten.
 

Waren es in der Frühzeit der Löscheimer und der Einreißhaken, die einzigen Hilfsmittel, um verheerende Brände zu bekämpfen, so war es das technische Handwerk, dass Zeug daran legte, die Mobilität und die Löscheffekte zu verbessern. Doch was hilft ein gutes Gerät, wenn man nicht geschultes und geübtes Personal hat, um es sinnvoll zur Rettung von Leben sowie von Hab und Gut einzusetzen.

Waren es vor der Entstehung der ersten militärisch organisierten Feuerlöschanstalten, wir sagen heute Feuerwehren, es verantwortungsvolle Bürger, die sich in Bürgerwehren oder Turnerfeuerwehren oder durch Polizei-Verordnung zum Löschdienst verpflichteten Bürger, die sich bei der Löschhilfe vor Ort bewährten.
 

Mit der Gründung der ersten freiwilligen Feuerwehr in Deutschland um 1840 in der Stadt Meißen und der ersten Berufsfeuerwehr 1851 in Berlin, entstanden auch die ersten Feuerwehren in der heutigen Region Sachsen-Anhalt wie in den Städten Bernburg (1854), Wernigerode (1864) und Stendal (1872). Die Feuerwehren in Städten wurden schnell Vorbild für die aufzubauende Löschhilfe auf dem „platten Lande“, denn da zerstörte in dieser Zeit noch so manches Feuer das Hab und Gut und die Hilfe kam zu spät.
 

Disziplin, geschlossene Tatbereitschaft und die Durchführung von Übungen, das waren die wichtigsten Tugenden, in denen man Brände erfolgreich zu Leibe gehen konnte. Dazu kam die technische Vervollkommnung der Hilfsgeräte und die Mobilität in einem Feuerdistrikt (Feuerwehrbezirk). Diese Vervollkommnung betraf auch die Verbesserung der Nachrichtenmittel, denn das Sprachmittel waren nicht nur der Ruf „Feuerio“ oder das Stürmen der Glocken, sondern mancherorts auch der Böllerschuss aus einem Kanonenrohr.
 

Die Darstellung der Entstehung und Entwicklung des Feuerlöschwesens ist heute ein wesentlicher Punkt zur Erhaltung des Kulturgutes Feuerwehr, um dies in einem nicht nur technischen Feuerwehrmuseum darzustellen und die Werte wie Kameradschaft, Selbstlosigkeit und Zusammenhalt in den Feuerwehren zu vermitteln, da diese in der heutigen modernen Feuerwehr noch vorherrschen und so für Frauen und Männer wie früher eine Ehre ist, Mitglied in seiner Feuerwehr zu sein. 
 
Das Landesfeuerwehrmuseum widerspiegelt die Geschichte der Entstehung und Entwicklung des Feuerlöschwesens in Preußen mit den Provinzen Sachsen und Anhalt, die heute Bestandteil des Landes Sachsen-Anhalt sind.
 

 

Zur eigenen Geschichte:
 
 
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Stendal im Jahr 1972 entstand die Idee, eine Ausstellung über die Geschichte der Feuerwehr mit Bildmaterialien und alter Feuerwehrtechnik zu erstellen, um diese bei Schauvorführungen zu präsentieren.

So trafen sich damals Kameraden, die ihr gemeinsames Interesse, das Sammeln und Aufarbeiten alter historischer Technik aus der Geschichte der Feuerwehr zum Hobby machten und gründeten den Verein „Feuerhistorik Altmark-Stendal e. V.“ 1984. Am 08. Mai 1993 wurde aus dem kleinen Feuerwehrkabinett das Landesfeuerwehrmuseum Sachsen-Anhalt. Träger dieses Feuerwehrmuseums ist der Feuerwehrverein „Feuerwehrhistorik Stendal e. V.“ und alle Aktivitäten sind wie bei den freiwilligen Feuerwehren ehrenamtlich. Durch Schenkungen, Ankäufe und Leihgaben sowie durch Aufarbeitung und Darstellung der Feuerwehrgeschichte in ständigen Ausstellungen hat sich der Umfang und Wert des Kulturgutes Feuerwehr und Kameradschaft stetig verändert.
 

Heute gehört dieses Feuerwehrmuseum nicht nur zur Museumslandschaft der Feuerwehrmuseen in Deutschland, sondern ist die Wiege für die Feuerwehren und seiner Verbände sowie für die Geschichte des Feuerlöschwesens im mitteldeutschen Raum, insbesondere der Preußischen Provinz Sachsen und des heutigen Land Sachsen-Anhalt.

Dem Besucher wird anhand von historischen Bildmaterialien die historische Entwicklung des Feuerlöschwesens und der ersten Feuerschutzverordnungen aufgezeigt. Zu sehen sind seltene und originale Ausstellungsstücke, wie Löscheimer, Handdruckspritzen in Hand- und Pferdezug, alte Pumpen und Spritztechnik und technische Einrichtungen der Brandfrüherkennung und zur Alarmierung der Feuerwehren. Besondere Attraktionen sind die fahrbaren Drehleitern aus dem Jahre 1938 und 1940 sowie die vielen Löschfahrzeuge und Sonderfahrzeuge, von Werk-, Bahn- und Grubenfeuerwehren, wie sie bei den Feuerwehren bis gestern verwendet wurden.

Unter den Ausstellungsstücken befinden sich seltene Feuerwehr-Lafetten (Anhänger), wie sie seit 1920 in den Feuerwehren verwendet werden.

Auch für jüngere Besucher sind Ausstellungsteile sehr attraktiv, da sie unter praktischer Anleitung den Umgang mit dem Notruf lernen und erfahren, wie sie sich vor Feuer und Rauch schützen können.

Die Mitglieder des Feuerwehrvereins in Stendal sind ständig bemüht, das Ausstellungsbild und die Inhalt zu verändern und zu aktualisieren. Für sie ist es eine besondere Herausforderung, wenn sie am 06. und 07. Juni 2008 das 15-jährige Bestehen des Landesfeuerwehrmuseums mit einem Museumsfest feiern. Höhepunkt dieser Veranstaltung ist ein landesweites Handdruckspritzentreffen der Feuerwehrhistoriker. Sie stellen sich an diesen Tagen dem Wettbewerb „Wer ist die älteste, wer ist die schönste und wer ist noch die schnellste Spritze im hohen Alter“. Schon jetzt wissen wir, dass dies ein besonderer Besuchermagnet sein wird.
 
An dieser Stelle bedanken wir uns und grüßen alle, die unsere ehrenamtliche Tätigkeit unterstützen und den Erhalt des Landesfeuerwehrmuseums Sachsen-Anhalt fördern.